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01. 12. 2006

Blindheits-Prävention im Kongo


Blindheits-Prävention im Kongo

Wenn Kindern das Augenlicht geschenkt wird

In Deutschland bringen wir das Thema Blindheit durch Grauen Star normalerweise nicht mit Kindern, sondern mit älteren Menschen in Verbindung. In Entwicklungsländern dagegen tritt die Trübung der Augenlinse viel häufiger bereits bei Babys und Kleinkindern auf – mit einer lebensbedrohlichen Perspektive. Wenn die drei Schwestern Elysée (3), Berthe (6) und Julienne (10) das kongolesische Hauptnahrungsmittel Maniok im Holzmörser zerstampfen, singen sie gern. Ihr harmonischer, dreistimmiger Gesang schallt durch die Strohhütten des kleinen afrikanischen Dorfes. Besonders Elysée beeindruckt die Zuhörer mit ihrer sicheren Intonation und ihrer hellen Stimme. Wenn ihre Augen verträumt in die Ferne blicken, fällt eines kaum auf: Elysée ist blind.

Der Graue Star hat die Augenlinsen der Dreijährigen milchigweiß getrübt. Sie sieht nicht die grünen Palmen in ihrem Dorf, nicht die Schwestern, nicht ihre Großmutter, bei der sie so gerne auf dem Schoß sitzt.

Düstere Zukunft

Das kleine Dorf, in dem Elysée mit ihrer Familie wohnt, liegt mitten im kongolesischen Busch, mehrere hundert Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa entfernt. Innerhalb ihrer vertrauten Dorfgemeinschaft kann sich das Mädchen trotz ihrer Blindheit ganz gut orientieren: Wenn Elysée jemanden nicht gleich an der Stimme erkennt, nimmt sie ihre Nase zu Hilfe, drückt ihr Gesicht in die Kleidung der betreffenden Person und erkennt sie am Geruch.

Obwohl das Mädchen so im Alltag einigermaßen zurechtkommt, machen sich seine Großmutter Geneviève und Mutter Marie-Jeanne große Sorgen: Wie soll Elysée später einen Beruf erlernen, einen Mann finden oder eine Familie versorgen?

Dazu kommt: Die Dreijährige ist nicht das einzige blinde Mädchen in der Familie: Ihre ältere Schwester Berthe ist ebenfalls fast blind – obwohl sie als Vierjährige am Grauen Star operiert wurde. Damals hatte der Arzt aus medizinischen Gründen auf das Einsetzen von künstlichen Linsen verzichtet. Da Berthe jedoch weder künstliche Linsen noch eine Brille bekam, konnte sich ihre Sehfähigkeit nie richtig entwickeln.

Der Vater hat die Familie nach Elysées Geburt im Stich gelassen – zwei blinde Kinder waren zu viel für ihn. Er wollte lieber eine neue, eine "normale" Familie gründen. Ein solches Schicksal ereilt viele Familien in Entwicklungsländern. Doch Elysée und Berthe haben Glück: Bernard Kinwa, ein speziell ausgebildeter Krankenpfleger aus dem von der CBM geförderten Krankenhaus in Vanga, entdeckt die Mädchen bei einer routinemäßigen Reihenuntersuchung in ihrem Dorf. Er fährt sie mit einem Geländefahrzeug nach Vanga, wo zunächst ihre Augen untersucht werden. Dort stellt sich heraus: Elysee hat – wie früher ihre Schwester – den Grauen Star und Berthe benötigt dringend neue Augenlinsen. Beiden Mädchen kann durch eine Operation geholfen werden!

In der kleinen Augenabteilung in Vanga gibt es jedoch weder die geeignete Ausrüstung für die Operation von Kindern noch speziell geschulte Mitarbeiter, welche die Operation unter Vollnarkose begleiten können. Wegen der schlechten Straßenverhältnisse geht es daher mit dem Kleinflugzeug in das von der Christoffel-Blindenmission geförderte Hospital St. Joseph nach Kinshasa. – Eine aufregende Sache für die Mädchen, zumal sie nicht sehen können, was um sie herum vorgeht!
Großmutter Geneviève begleitet ihre Enkelinnen auf der großen Reise.

Der Schritt ins Licht

Im Krankenhaus wartet Elysée auf dem Schoß ihrer Oma auf die Untersuchung. Als Augenarzt Dr. Janvier Kilangalanga ihre Augen mit dem Ophthalmoskop, untersucht, ist sie sehr aufgeregt. Ihre ältere Schwester Berthe ist gefasster. Ohne Scheu absolviert sie den Sehtest, der dazu beitragen soll herauszufinden, wieviel sie überhaupt sieht.

Schließlich wird Berthe als erste in den Operationssaal gebracht. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt und dauert nur eine gute Viertelstunde. Das Mädchen bekommt künstliche Augenlinsen, damit sie endlich richtig sehen lernen kann. Danach ist Elysée an der Reihe: Nachdem sie narkotisiert ist, werden durch einen winzigen Schnitt die eingetrübten Augenlinsen herausgeholt und Kunstlinsen eingesetzt.

Alles verläuft gut: Zwei Tage nach der Operation wird der Verband abgenommen. Nur zögernd traut sich Elysée, ihre Augen zu öffnen. Von Geburt an blind, ist sie viel zu irritiert von den vielen Sinneseindrücken, um sie gleich verarbeiten zu können. Sie scheint im ersten Moment nicht zu wissen, ob sie staunen oder weinen soll: Abwechselnd weint sie oder summt vor sich hin.

"Normalerweise dauert es wenigstens sechs Wochen, bis sich das Sehvermögen eines blinden Kindes so weit entwickelt hat, dass es seine optischen Eindrücke mit den übrigen Sinneseindrücken verknüpfen kann", erläutert Dr. Kilangalanga. Erst dann weiß ein Kind, ob es gerade einen Baum oder eine Person vor sich hat.

Berthe, die schon ein bisschen sehen konnte, ist dagegen gleich guter Laune, als ihre Verbände abgenommen werden: Der Erfolg der Operation ist sofort bemerkbar. Sie kann Dr. Kilangalangas Finger zählen!

Ein paar Tage später kehren die Mädchen mit ihrer Großmutter nach Hause zurück. Elysée strahlt über das ganze Gesicht, als sie die Stimme ihrer Mutter erkennt.

Doch der schönste Platz für sie ist immer noch der Schoß ihrer Großmutter auf der Bank vor der Hütte. Man weiß nicht, wer sich mehr freut: Geneviève, die weiß, dass ihre Enkelinnen nun endlich eine Zukunft haben, oder Elysée, die ihre Oma begeistert anstrahlt und mit kleinen Erdnüsschen füttert.
















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