27. 04. 2007

Vor zweieinhalb Jahren konnten ESO-Astronomen mithilfe des 3,6-m-Teleskops im chilenischen La Silla den ersten extrasolaren Himmelskörper identifizieren, der nur die 15fache Erdmasse hat und damit so groß wie der Neptun ist. Genau genommen ist es die "Planetensuchmaschine" HARPS, der man diese Entdeckungen verdankt, dem wahrscheinlich präzisesten Spektrografen der Welt.
HARPS steht für High Accuracy Radial Velocity for Planetary Searcher, mit ihm können feinste Geschwindigkeitsabweichungen in der Drehung von extrasolaren Sonnen gemessen werden. Wie Udry erklärt, geht es dabei um Änderungen von nur zwei bis drei Meter pro Sekunde, also um Geschwindigkeiten eines eiligen Joggers. Daraus wiederum können die Forscher auf die Planeten schließen, die diese Sterne umkreisen.

Nachdem mithilfe von HARPS elf der dreizehn bislang kleinsten extrasolaren Planeten gesichtet wurden, gelang den Forschern rund um Udry nun ein Volltreffer: Sie konnten im Dreiplanetensystem von "Gliese 581", einem der hundert uns nächsten Sonnensysteme, einen Planeten errechnen, dessen Radius nur 50 Prozent größer ist als der unserer Erde und der etwa die fünffache Masse hat, wie sie in der Fachzeitschrift Astronomy and Astrophysics berichten.
Der Superplanet sei zwar 14-mal näher seiner Sonne, als die Erde ihrem Zentralgestirn ist, sagt Udry, der Hauptautor des Artikels mit dem Titel "The HARPS search for southern extra-solar planets: XI. An habitable super-Earth (5 MEarth) in a 3- planet system". "Da Gliese 581 aber ein Roter Zwerg ist – und damit kleiner und kühler als unsere Sonne –, liegt der Planet nach unseren Berechnungen in einer bewohnbaren Zone." Das Forscherteam geht aufgrund von bisherigen Modellen zur Planetenentstehung davon aus, dass auf der Oberfläche des neu entdeckten Planeten Wasser in flüssiger oder gefrorener Form existieren dürfte und die Temperatur zwischen null und vierzig Grad Celsius liegen könnte. Klingen diese Angaben durchaus erdähnlich, so ist vieles andere auf diesem ersten bewohnbaren Planeten in unserer relativen Nachbarschaft aber gewöhnungsbedürftig: Ein Jahr zum Beispiel dauert dort gerade einmal dreizehn Tage.