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14. 12. 2007

Ludovico Einaudi Piano Solo


Ludovico Einaudi Piano Solo
Nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Grossbritannien ist der italienische Pianist und Komponist Ludovico Einaudi längst ein Publikumsmagnet, dessen rein instrumentale Alben gar in den vorderen Rängen der Pop-Charts auftauchen.

Nach Studien am Konservatorium in Mailand und bei Luciano Berio, der Vertonung eines Romans der visionären Autorin Virginia Woolf, der Zusammenarbeit mit renommierten Ballettkompanien und langen Reisen durch Afrika hat der Klangalchemist Einaudi, der auch als Filmmusikkomponist erfolgreich ist, tief in sich hineingehorcht und dabei eine Klaviermusik entdeckt, die sich beim besten Willen nicht klassifizieren lässt: imaginäre Soundtracks, die die Zuhörer in bisher unentdeckte Welten entführen. Als wichtige Inspirationsquellen dienen dem Spezialisten für suggestive Atmosphären Erik Satie, Ryuichi Sakamoto und Philip Glass.


„Definitionen missfallen mir grundsätzlich“, gesteht Ludovico Einaudi. „Aber „Minimalist“ ist eine Bezeichnung, die für Eleganz und Offenheit steht. Also würde ich lieber „Minimalist“ genannt werden, als irgendetwas sonst.“ Der italienische Komponist und Pianist Ludovico Einaudi ist nicht nur Minimalist, sondern auch Meister der Atmosphäre. Ruhig und melancholisch, mit kräftigen Klangfarben und zarten Harmonien, verbreiten sich seine romantischen Melodien langsam und sicher quer über den Globus.

In Italien und Großbritannien ist der einstige Student Luciano Berios ein häufiger Chartgast, im Rest der Welt kennt man zumindest seine preisgekrönten Soundtracks. Mit seinem neuen Album „Divenire“, dessen Titel sich nur unzureichend mit „Werden“ übersetzt, überbrückt der 51-jährige Turiner nun erneut die Welten der klassischen Orchestermusik, des minimalen Pop und der modernen Elektronik. An der Seite des Royal Liverpool Orchestra unter Leitung des Amerikaners Robert Ziegler (dessen Talent auch schon David Gilmour oder Jonny Greenwood von Radiohead in Anspruch nahmen), mit eigenen Loops und im Spiel mit dem Solocellisten Marco Decimo wächst Einaudi auf den zwölf leidenschaftlichen Liedern von „Divenire“ über seine bisherigen musikalischen Erfahrungen hinaus. Tatsächlich vereint er hier seine filmischen, afrikanischen, poppigen und avantgardistischen Einflüsse zu einem neuen, sehr eigenen und in all seiner Entspanntheit aufregenden Sound. „Irgendwann wurde mir bewusst, dass all mein Material dieselbe Energie enthält und dass es interessant sein könnte, damit zu experimentieren, es wie ein Mosaik zusammenzufügen“, meint Ludovico Einaudi. „Es würde eine vielseitige, lebendige und unvorhersehbare Kreation entstehen, wie eine große Landschaft voller Berge und Ebenen, Flüsse und Ozeane, durchdrungen von jener Energie, die einen dazu antreibt, die Welt bis zu dem Punkt zu erfahren, an dem man seine eigene Identität in sie eintaucht – in einem Zustand kontinuierlichen Werdens.“

 

„Divenire“ begann seinen Werdensweg im Jahre 2002, als die Organisatoren des Festivals „I Suoni delle Dolomiti“ Ludovico Einaudi mit einer Komposition beauftragten, die schließlich auf einem Plateau in 2000 Meter Höhe aufgeführt werden sollte. „Ich schrieb eine Suite für Klavier, zwei Harfen und Streichorchester, zu der mich drei Gemälde des Schweizer Künstlers Giovanni Segantini aus dem 19. Jahrhundert inspirierten – Leben, Natur und Tod.” Die Uraufführung dieser Komposition vor der spektakulären Bergkulisse erinnert Einaudi sehr intensiv. „Ich fühlte mich wie in einem Strom, der den Berghang hinunterfließt. Aber nicht nur darin, sondern tatsächlich als Teil der unaufhaltsamen Wassermassen. Ich verspürte dabei dieses berauschende Gefühl, das man sonst nur bei physischen Aktivitäten in Verbindung mit Naturgewalten verspürt, im Umgang mit Geschwindigkeit, Wasser, Raum und Wind.“ Der Wunsch, diesen enormen Gefühlen weiter musikalischen Ausdruck zu verleihen, erfüllte sich zunehmend in den Livekonzerten Einaudis, die er vor allem nutzte, um immer waghalsigere Variationen und Improvisationen seiner Stücke zu entwickeln. „Ich bemühte mich, jedes Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis zu machen, für mich und für das Publikum. Also begann ich jeden Auftritt ohne zu wissen, wo ich enden würde. Während der Vorbereitungen darauf fing ich an mit Sequenzen zu spielen, die ich zuvor aufgenommen hatte, mit Soundeffekten und Loops, die am Computer entstanden und die ich dann in meine Konzerte integrierte.“

Ein evolutionärer Prozess, der nun „Divenire“ zugute kommt. Das Album beginnt mit „Uno“, einem versiert elektrifizierten Stück, dessen „Musik in der Luft hängt, mysteriös wie ein Fragezeichen“ und führt über „Divenire“, einen orchestrierten Satz der ursprünglichen Dolomiten-Suite, das energetische Loop-Piano-Cello Trio „Andare“ oder die Nachtmusik von „Ascolta“ bis zum Pianosolo „Ritornare“, das Regisseur Shane Meadows für seinen eben auf allen wichtigen Festivals präsentierten Film „This Is England“ benutzte. Immer wieder berührt dabei das elegante Zusammentreffen von elektronischen Elementen, Improvisationen und orchestraler Komposition. Es ist bezeichnend, dass das Album in „Svanire“ gipfelt, gespielt vom Cellisten Marco Decimo und dem Orchester – ohne Klavier. „Das Album endet mit einem Stück, das unaufgelöst bleibt“, erklärt Ludovico Einaudi.
„Gleichzeitig ist es lyrisch und abstrakt.
Man stelle sich vor, die Silhouetten einiger Berge am fernen Horizont zu sehen. Formen steigen auf und fallen, aber man kann nicht erkennen, warum.“ 

 

Ludovico Einaudi ist ein Spross einer der politisch und kulturell bedeutendsten italienischen Familien. Ein Großvater war der erste Staatspräsident nach dem 2. Weltkrieg, der andere Komponist und Dirigent. Sein Vater ist der Turiner Verleger Giulio Einaudi. Das Klavierspielen lernte Ludovico schon früh von seiner Mutter. Nach Studien am Verdi Konservatorium in Mailand, unter anderem beim Avantgardekomponisten Luciano Berio, bekam er 1982 ein Stipendium für das Tanglewood Music Center im amerikanischen Massachusetts, die Akademie für fortgeschrittene Musikstudien des Boston Symphony Orchestra.

Mit der Zeit entwickelte er, der anfangs hauptsächlich eigene kammermusikalische und philharmonische Werke komponierte, eine wachsende Liebe zu den Songstrukturen moderner Popkünstler wie Radiohead, PJ Harvey, Björk oder Coldplay und zu den Pianowelten von Ryuichi Sakamoto, Didier Squiban oder Philipp Glass. Auf seinen zahlreichen Solo-Piano-Alben kommen diese Vorlieben ebenso zum tragen, wie etwa in Duoprojekten mit dem Kora-Spieler Ballake Sissoko aus Mali, der deutschen Elektronikband To Rococo Rot oder dem Duduk-Meister Djivan Gasparian. Und natürlich auch immer wieder in Einaudis bisher dreizehn Filmmusiken. Die ruhige Kraft seiner Musik und das Talent, ergreifend einfache Melodiebögen über tiefgehende Strukturen zu spannen, haben Ludovico Einaudi bei Künstlern wie Anselm Kiefer oder Armin Linke, der britischen Queen und einem begeisterten Publikum zwischen modernen Traditionen und klassischen Ritualen beliebt gemacht.
 

 

















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