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12. 07. 2006

Gut fuersrs Hirn - schlecht fuers Herz


Gut fürs Hirn - schlecht fürs Herz

Hohe Cholesterinwerte sind ein Risikofaktor für Herzerkrankungen und Schlaganfall. Aber erhöhte Cholesterinwerte haben auch einen positiven Nebeneffekt: Sie steigern die mentale Leistungsfähigkeit.

Die Framingham Heart Study wurde 1948 in den USA unter der Leitung des National Heart Centers gestartet. Über 5.000 Probanden, Frauen und Männer im Alter zwischen 30 und 60 Jahren, wurden rekrutiert, um die Ursachen für cardiovasculäre Erkrankungen in einer Langzeitstudie zu untersuchen. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Gefäßerkrankungen war in den USA auffällig gestiegen.
Zu Beginn der Studie waren die Ursachen noch weitgehend unerforscht. Die Framingham Heart Study beobachtete nun die Entstehung von Gefäßerkrankungen bei gesunden Menschen, um so die Ursachen zu identifizieren.
 
Neben regelmäßigen medizinischen Untersuchungen wurden auch Interviews über die Lebensumstände geführt. Drei Generationen von Probanden mussten sich bis 2005 im Abstand von vier bis sechs Jahren mentalen Tests unterziehen.
 
Zusammen mit der Universität Boston wurden neben den ursprünglichen Untersuchungszielen auch genetische Faktoren, sowie die Risikofaktoren für Schlaganfall, Demenz, Osteoporose, Arthtritis, Diabetes, Augenkrankheiten, Lungenkrankheiten und Hörschäden erforscht.
 
Die Auswertung der Testergebnisse über den Einfluss des Blutcholesterinwertes hat gezeigt, dass Frauen und Männer mit niedrigem Blutcholesterinwert bei den mentalen Tests deutlich schlechter abschnitten als jene mit erhöhten Cholesterinwerten. Die Probanden mussten in anspruchsvollen Aufgaben ihre Redegewandtheit, das Abstraktionsvermögen, ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit unter Beweis stellen. Cholesterin ist im Erwachsenenalter wichtig für die Funktionsfähigkeit der Nervenzellen – eine mögliche Erklärung für die Testergebnisse.
 
Entwicklungsbiologen haben festgestellt, dass Cholesterin für die Entwicklung des Gehirns eine wichtige Rolle spielt. Hat eine Schwangere einen gestörten Cholesterinstoffwechsel, kommt es zu schweren Schäden des Embryos im Vorderhirn, dem größten Bereich des Gehirns. Eine solche Missbildung, Holoprosenzephalie (HPE) genannt, tritt bei einem von 16.000 Kindern auf, eine von 250 Schwangerschaften wird aufgrund dieser Missbildung abgebrochen. Die mildeste Form von HPE ist die Bildung der Gaumen-Lippen-Spalte. HPE kann genetisch bedingt sein, aber auch durch eine Virusinfektion oder durch Alkoholmissbrauch ausgelöst werden, häufig ist jedoch der Cholesterinstoffwechsel die Ursache.
 
Derzeit gibt es noch keine Untersuchungsergebnisse, ob ein erhöhter Cholesterinwert im Erwachsenenalter derart medikamentös behandelt werden kann, dass das Risiko einer Gefäßerkrankung eingeschränkt und gleichzeitig der positive Effekt für die mentale Leistungsfähigkeit erhalten werden kann.
 
Quellen: National Heart, Lung and Blood Institute, http://www.nhlbi.nih.gov; Max-Delbrück Zentrum für Molekulare Medizin

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