02. 10. 2006
Gefäß wieder durchlässig machen die Akutversorgung bei Herzinfarkt.
Bei einem Infarkt muss das verstopfte Herzkranzgefäß sofort wieder geöffnet werden, zum Beispiel per Lyse oder Ballondilatation.
Noch immer sterben in Deutschland jährlich rund 280.000 Menschen an den Folgen eines Herzinfarkts: viele, weil sie zu spät den Notarzt alarmieren. Ursache eines Herzinfarkts ist meist eine Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose). Ablagerungen an den Gefäßwänden führen zu einer Verengung. Zudem kann sich ein Blutgerinnsel aus den Ablagerungen lösen und das Gefäß verstopfen.
Der Herzmuskel wird dadurch nicht richtig durchblutet und nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Es kommt zu einem Herzinfarkt. Wird das verschlossene Herzkranzgefäß nicht innerhalb kürzester Zeit wieder durchlässig gemacht, stirbt der betroffene Teil des Herzmuskels ab.
Das Gerinsel lösen
Auf dem Elektrokardiogramm (EKG) können die Ärzte meist schon erkennen, ob ein Infarkt vorliegt. Auch wenn verschiedene Herz-Enzyme erhöht sind, weist das auf einen Herzinfarkt hin. Eine Blutuntersuchung bestätigt schließlich die Diagnose.
Es gibt zwar die Möglichkeit, bereits vor Ort mit einem speziellen Medikament das Gerinnsel im Herzkranzgefäß aufzulösen. Diese Methode nennt man Lyse. Allerdings darf sie nur angewendet werden, wenn eindeutig ein Herzinfarkt diagnostiziert wurde. Außerdem besteht die Gefahr von Blutungen.
In den meisten Fällen wird in der Klinik ein Herzkatheter gesetzt. Dabei wird das verstopfte Blutgefäß mit einem winzigen Ballon geweitet. Diese Ballondilatation hat sich in den letzten Jahren als besonders wirksam erwiesen, die verstopfte Arterie schnell wieder zu öffnen. An die Engstelle wird oft auch ein Drahtgeflecht, ein Stent, eingesetzt, der einen Wiederverschluss an der gleichen Stelle verhindern soll.
Bypass
In besonders schweren Fällen, wenn sich das Gefäß nicht durch Lyse oder Herzkatheter öffnen lässt, ist eine Operation am offenen Herzen nötig, um einen Bypass zu setzen. Dabei wird die Verengung mit einer Vene, die dem Patienten an anderer Stelle entnommen wird oder einer Brustwandarterie überbrückt.
Damit die Gefäße nicht weiter verstopfen, bekommen die Patienten meist Blutgerinnungshemmer wie zum Beispiel Aspirin verordnet. Zusätzlich bekommen sie ACE-Hemmer, die die Blutgefäße weiten. Dadurch soll ein Blutstau verhindert werden. Betablocker reduzieren unter anderem den Sauerstoffbedarf des Herzens, und der Herzmuskel kann sich erholen.
Chest Pain Units
In einigen Kliniken gibt es spezielle Aufnahmestationen, Chest Pain Units, kurz CPU. Hier werden alle Patienten mit Brustschmerzen aufgenommen. Das Team der CPU ist auf kardiologische Notfälle spezialisiert. Der Patient wird optimal versorgt und betreut. Die CPU arbeitet eng mit anderen Fachabteilungen wie dem Herzkatheterlabor, der Herzchirurgie und mit Spezialisten für Herzrhythmusstörungen zusammen.
Zudem kann die Ursache der Brustschmerzen auch fachübergreifend abgeklärt werden, zum Beispiel durch den Lungenfacharzt oder Gastroenterologen. Bis zum Ausschluss eines akuten Herzinfarktes bleiben die Patienten auf der CPU. Dort werden EKG- und Blutwerte mehrfach kontrolliert. Falls erforderlich wird per Ultraschall untersucht, ein Belastungs-EKG oder eine Computertomographie gemacht.
Vorbeugen
Dem Herzinfarkt kann man vor allem durch einen gesunden Lebensstil vorbeugen. Viel Bewegung, gesunde Ernährung, evtl. bestehendes Übergewicht reduzieren und negativen Stress vermeiden.Vor allem das Rauchen sollte eingestellt werden, denn dadurch erhöht sich das Herzinfarktrisiko erheblich. Bei Frauen erhöht das Rauchen in Kombination mit der Einnahme der Pille das Herzinfarktrisiko zusätzlich.
Als Risikopatienten gelten auch: Diabetiker, Bluthochdruckpatienten, stark Übergewichtige oder Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten und alle, bei denen der Herzinfarkt "in der Familie" liegt. Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, steigt das Herzinfarktrisiko dramatisch. Zur Vorsorge wird ein regelmäßiger Check bei einem erfahrenen Kardiologen empfohlen.