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13. 11. 2006

Krampfaderbehandlung


Krampfadern-Thrombose-Lungenembolie-Offenes Bein

In Deutschland sterben jährlich ca. 30.000 Menschen an einer Lungenembolie, der gefürchtetsten Komplikation der Venenerkrankungen im Rahmen einer tiefen Beinvenenthrombose.

Statistisch leiden von 41 Millionen Bundesbürgern im Alter zwischen 20 und 70 Jahren
* 4,0 Millionen an Veränderungen der Beinvenen
* 5,3 Millionen an chronischer Veneninsuffizienz
* 80.000 an Ulcus cruris (offenes Bein) 

Zirka 30 % der erwachsenen Deutschen sind an einem Krampfaderleiden bzw. dessen Folgezuständen erkrankt und bereits 30 % der 14jährigen sollen eine Venenschwäche haben. Wir zeigen Ihnen welche modernen Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

 Zunächst sollten Sie Ihr Venensystem vom ärztlichen Venenspezialisten (Phlebologen) untersuchen lassen. Die Untersuchung des Venensystems beim Phlebologen ist heute -dank moderner Medizintechnik- vollkommen schmerzfrei und risikolos. Auf die Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Phlebographie) sollte jedoch möglichst verzichtet werden. Ist eine Venenoperation erforderlich, lassen Sie sich vorher ausführlich beraten, welche Operationstechnik und welche Anästhesie für Sie geplant ist. Jede Krampfaderoperation ist heute grundsätzlich in der örtlichen Betäubung möglich. Es sollten möglichst minichirurgische bzw. narbenfreie Verfahren eingesetzt werden. 

Operationstechniken

Moderne Venenkliniken und gefäßchirurgische Abteilungen bieten den Patienten heute eine breite Palette moderner Operationstechniken bei Krampfadern an. Nur welches Bein ist für welche Technik am besten geeignet ? "Jede Krampfaderoperation muss für den Patienten so schonend und so ästhetisch wie möglich sein", so die Geschäftsführerin der Deutschen Venen-Liga e.V., Petra Hager-Häusler. Die Entscheidung über die Operationsmethode trifft der Arzt. Medizinische Aspekte müssen dabei zum Wohle der Patienten im Vordergrund stehen. Dabei darf die Ästhetik aber nicht vernachlässigt werden. Wer möchte schon seine Krampfadern gegen häßliche Narben tauschen?

Stripping der Stammvene

Das Stripping ist die bekannteste Operationstechnik bei Krampfadern. Dabei wird die kranke Vene nach Einführen einer Sonde durch einen kleinen Schnitt herausgezogen (gestrippt). Von großer Bedeutung ist hier, dass nicht jede kranke Stammvene entfernt werden muss. Falls sie nur im oberen Teil erkrankt ist, geht man stammvenenschonend vor, das heißt, der gesunde Venenteil bleibt erhalten (z.B. für eine evtl. später erforderliche Bypass-Operation.

Stripping-Standardverfahren

Die Stammvene wird mit einer biegsamen Sonde (Babcockstripper) herausgezogen
Vorteil: Läßt sich immer durchführen
Nachteil: Ein kleiner Hautschnitt am Unterschenkel ist erforderlich. Die Gewebetraumatisierung am Oberschenkel ist größer, d.h. es können sich Blutergüsse bilden, die nach einer gewissen Zeit aber wieder verschwinden.

Invaginierendes Strippen (PIN-Stripping)

Relativ neues Verfahren, wobei die Vene durch sich selber herausgezogen wird.
Vorteil: Nur Stichinzision am Unterschenkel.
Nachteil: Gelingt manchmal nicht, weil die Vene bei Verwachsungen nicht komplett entfernt werden kann.

Kryo-Technik (Vereisung)

Eine starre Sonde wird in die Stammvene eingeführt und die Vene dann mittels Tieffrieren herausgezogen.
Vorteil: Ein Gegenschnitt am Unterschenkel ist nicht erforderlich
Nachteile: Bei stark ausgeprägter Stammvene sowie Verwachsungen gelingt dieses
Verfahren nicht, Gefahr der Verletzung von Hautnerven, manchmal tritt
längerfristig eine Braunverfärbung der Haut nach der Operation auf.

ELT- Endoluminale Lasertherapie

Das hochmoderne, in den USA entwickelte Laserverfahren wird seit kurzem auch in Deutschland angeboten. Es ermöglicht im Gegensatz zu bisherigen Laserverfahren nun auch eine schonende und risikoarme Behandlung von größeren Krampfadern und stellt damit häufig eine echte Alternative zu klassischen und sonstigen Verfahren dar.
Hierbei wird in örtlicher Betäubung unter ständiger Ultraschallkontrolle durch ein feines Glasfaserlichtkabel die Laserlichtenergie "minimalinvasiv" in die Vene eingebracht. Die Laserlichtimpulse bewirken eine Erhitzung im Inneren der Vene und dadurch kommt es zu einer Schrumpfung und letztlich zum Verschluss des Gefäßes. Die Krampfader wird regelrecht von innen verschweißt.

CHIVA-Verfahren in modifizierter Form

Das Besondere beim CHIVA-Verfahren besteht darin, dass man die erkrankten Venen nicht herauszieht, sondern im Körper beläßt. Es werden hierbei nur die wichtigsten Stammvenenanteile unterbunden. Insbesondere der Erhalt einer nur geringgradig erkrankten Stammvene ist von großem Nutzen, da diese für eine evtl. Bypass-Operation im Körper verbleiben kann. Falls möglich, operieren die Fachkliniken immer stammvenenerhaltend und setzen somit sehr gezielt in geeigneten Fällen auch das modifizierte CHIVA-Verfahren ein.

Phlebektomie - sogenanntes schnittfreies Verfahren

Die Astkrampfadern werden mittels kleiner Stiche und mit Hilfe von Spezialinstrumenten herausgezogen. Die Stiche verheilen im Idealfall völlig narbenfrei.

Schaumverödung

Die Schaumverödung ist eine ganz neue Methode, störende Krampfaderäste zu entfernen. Im Gegensatz zu der herkömmlichen Verödung wird hier ein dünner Katheter unter Ultraschallkontrolle in die Vene gelegt und hierüber anschließend ein spezieller Schaum in die Vene injiziert. Dieser bewirkt, dass die Vene wesentlich leichter verklebt und sich vollkommen verschließt. Der verklebende Effekt ist stärker als bei allen bisherigen Methoden. Der Körper baut die verklebten Venen in den folgenden Wochen ab, ohne dass Narben zurückbleiben. Darüber hinaus ist die Schaumverödung beinahe schmerzfrei, schnell und ambulant durchführbar. Direkt nach der Behandlung geht der Patient für 20 bis 30 Minuten umher und trägt etwa eine Woche einen leichten Kompressionsstrumpf. Nach der Schaumverödung sind die Patienten weder arbeitsunfähig, noch müssen sie sich sportlich einschränken. Nur Wärme und direkte Sonnenbestrahlung sollte für zirka 2 Wochen gemieden werden.

Im Idealfall beherrscht der Venenspezialist sämtliche Verfahren. So kann für jeden Patienten individuell die schonendste Operationstechnik mit dem besten ästhetischen Ergebnis eingesetzt werden.

 Operation / ambulant

Für welche Beinbeschwerden ist eine ambulante Operation geeignet?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Generell kann man aber sagen, dass der Befund des Gefäßsystems nicht zu ausgeprägt sein darf und es keine schwere Begleiterkrankung, z.B. am Herzen, geben sollte. Eine medizinische Entscheidung zur ambulanten OP fällt der Facharzt gemeinsam mit dem Patienten nach der gründlichen Voruntersuchung und einem ausführlichen Gespräch, indem auch die persönlichen Verhältnisse angesprochen werden. Denn, wer alleine lebt, sollte sich für ein bis zwei Tage nach dem Eingriff eine Betreuung nach Hause holen.

Wer übernimmt die Kosten der ambulanten Operation?
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn der medizinische Befund die Notwendigkeit einer Operation bescheinigt - ambulant wie stationär.

Wie lange dauert eine ambulante Operation?
Die Operation dauert ca. 1/2 bis 1 Stunde. Trotzdem sollte wenigstens ein ganzer Tag eingeplant werden, denn manchmal müssen vorab noch Blutwerte genommen oder ein aktuelles EKG erstellt werden. Und die Klinik sollte, sofern ihr ambulantes Konzept nicht den Aufenthalt von ein bis zwei Tagen vorsieht, in jedem Fall über einen Ruheraum mit Tagesbetten verfügen, denn nach dem Eingriff sollte man zwei bis drei Stunden abwechselnd mit Ruhen und Laufen verbringen.

Gibt es bei ambulanten Operationen die Möglichkeit, in der Klinik zu übernachten?
Einige Venenfachkliniken verfügen über das Angebot des sog. "Betreuten Übernachtens". Sollte z.B. zu Hause eine Betreuung nach dem Eingriff nicht gewährleistet sein oder erfolgt die Operation erst am späten Nachmittag, dann können ältere oder unsichere Patienten die folgende Nacht in der Klinik verbringen.

Wie schmerzhaft ist eine ambulante Operation?
Der Eingriff verursacht generell nahezu keine Schmerzen. Die ambulante Operation - genauso wie die stationäre - erfolgt in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) - ohne Vollnarkose oder rückenmarksnahe Betäubung. Das ist besonders schonend und belastet den Organismus nicht.

Muss man mit Nebenwirkungen oder Komplikationen rechnen?
Komplikationen sind die große Ausnahme, wenn der Patient auf die Kompetenz einer spezialisierten Einrichtung vertraut und sich an die Anweisungen des Arztes hält. An der Wunde können leichte Schmerzen auftreten und gelegentlich kleine
Nachblutungen an den operierten Gefäßen. Fachkliniken, die ambulant operieren, stellen für die Sicherheit ihrer Patienten in jedem Fall rund um die Uhr einen Arzt zur Verfügung.

Wie lange dauert es, bis die Behandlung abgeschlossen ist?
Das ist individuell sehr unterschiedlich und hängt immer vom Schweregrad des Gefäßleidens ab. Dabei ist es im Übrigen egal, ob ambulant oder stationär operiert wurde. Die Nachbehandlung ist immer gleich: Nach der Operation erhält jeder Patient einen individuell angepassten Kompressionsstrumpf. Dieser muss vier bis sechs Wochen getragen werden, da er die Gefäße fest zusammendrückt, Blutergüsse verhindert und vor Thrombosen schützt. Für vier bis sechs Wochen muss auf intensive Sonnenbestrahlung der Haut, auch im Solarium, verzichtet werden. Sonne unter normalen Bedingungen ist unbedenklich. Bestimmte sportliche Aktivitäten sind in der ersten Zeit nach der Operation nicht zu empfehlen. Waschen und Duschen sind erlaubt.

Worauf muss ich bei der Wahl einer Fachklinik für eine ambulante OP achten?
Eine medizinisch erfahrene Venenklinik verfügt über kompetente Beratungsmöglichkeiten und höchsten medizinischen Operationsstandard sowohl im ambulanten wie stationären Bereich. Wer sich informieren möchte, erhält kostenlos Auskunft über die Deutsche Venen-Liga e.V.

Wann muss überhaupt operiert werden?
Gering erkrankte Stammvene:
Oft reichen Vorbeugemaßnahmen, venengesunde Lebensführung und evtl. Kompressionstrümpfe aus. Das Voranschreiten der Venenerkrankung kann so über viele Jahre hinausgezögert werden. Störende Äderchen werden mit dem Laser behandelt oder verödet.


Mäßig erkrankte Stammvene:
Die Venenklappe, die dafür sorgt, dass das Blut nicht nach unten zurückströmen kann und dort versackt, funktioniert nicht mehr. Der Operateur unterbindet die defekte Venenklappe in der Leiste oder Kniekehle. Die Vene bleibt im Körper. Störende Seitenäste am Bein entlang werden minichirurgisch entfernt oder verödet (modifiziertes Chiva-Verfahren).

Stark erkrankte Stammvene:
Die kranke Vene wird mit einer Spezialsonde herausgezogen (gestrippt). Der Erhalt dieser Vene ist hier nicht sinnvoll, weil sonst bald eine Nachoperation erforderlich wäre. Die besten Ergebnisse werden mit dem PIN-Stripping erzielt, da man hier auf weitere Schnitte am Bein verzichten kann.

STATISTISCH

* leiden von 41 Millionen Bundesbürgern im Alter zwischen 20 und 70 Jahren 4,0 Millionen an Veränderungen der Beinvenen 
  5,3 Millionen an chronischer Veneninsuffizienz 
  80000 an Ulcus cruris (offenes Bein)
* Zirka 30 % der erwachsenen Deutschen sind an einem Krampfaderleiden bzw. dessen Folgezuständen manifest erkrankt.
* Bereits 30 % der 14jährigen sollen eine Venenschwäche haben.
* Menschen aus Familien mit bekannten Venenkrankheiten haben im statistischen Mittel doppelt so viele Venenentzündungen, Unterschenkelgeschwüre
  und Lungenembolien wie erblich nicht vorbelastete.
* Die Gesundheitskosten durch Venenerkrankungen belaufen sich schätzungsweise auf 1 Milliarde Euro jährlich.
* Bis zu 2500 Patienten werden wegen eines Venenleidens oder damit zusammenhängender Erkrankungen jährlich vorzeitig berentet.
* Noch heute sterben in Deutschland ca. 30.000 Menschen jährlich an einer Lungenembolie, der gefürchtetsten Komplikation der Venenerkrankungen im Rahmen einer tiefen Beinvenenthrombose.
* Ob sich nach einer Operation wieder Krampfadern bilden, hängt auch vom operierenden Arzt ab. Bei Operationen durch Venenspezialisten müssen 14 Prozent der Patienten mit der Neubildung 
  der Krampfadern (Rezidive) rechnen. Bei weniger erfahrenen Ärzten soll die Rezidivquote nach einer Operation bei über 40 Prozent liegen



Text&Bild: thE

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