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13. 11. 2006

maximale Leichtathletikrekorde


Ökonometriker der Universität Tilburg berechnen maximale Leichtathletikrekorde

Zwei Ökonometriker der Universität Tilburg, die Professoren John Einmahl und Jan Magnus, haben in einem zu veröffentlichenden wissenschaftlichen Artikel, berechnet, welche maximalen Rekorde in 14 Leichtathletikdisziplinen möglich sind, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.

Der Artikel, der den Titel Records in athletics through extreme-value theory tragen wird, basiert auf der Extremwerttheorie. Die gesammelten Daten stammen vom Marathon, von den einzelnen Zehnkampfdisziplinen der Männer, vom Siebenkampf der Frauen und vom 10-Kilometer-Lauf.

Um eine Aussage darüber treffen zu können, wie wahrscheinlich es ist, dass die heutigen Marathon-Bestzeiten in Zukunft noch weiter verbessert werden, wurden die persönlichen Bestzeiten von 1.546 Leichtathleten und 1024 Leichtathletinnen analysiert. Jeder Sportler taucht nur einmal auf dieser Liste auf. Der Männermarathon kann nach der Methode Magnus/Einmahl höchstens noch 49 Sekunden schneller werden. Dagegen ist beim Frauenmarathon mehr drin: Theoretisch müssten die Frauen noch etwa 9 Minuten schneller laufen können.

Beim 100-Meter-Lauf wurden die persönlichen Bestzeiten von 970 männlichen Sprintern aufgelistet. Der Weltrekord liegt bei 9.77, die langsamste Zeit immerhin noch bei 10.30 Sekunden. Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die Bestzeit im 100-Meter-Lauf der Männer theoretisch fast eine halbe Sekunde niedriger liegen könnte, also bei 9.29 Sekunden. Relativ gesehen wäre das eine viel größere Verbesserung als beim Marathon. Bei den 578 100-Meter-Läuferinnen lagen die Bestzeiten zwischen 10.49 (Weltrekord) und 11.38 Sekunden. Auch hier ist bei der Bestzeit mehr herauszuholen: Auf dem Papier sind 10.11 Sekunden möglich.

Auch die Diskuswerfer haben noch eine Perspektive. Bei den Herren liegt der Weltrekord heute bei 74.08 m, könnte sich aber um 3 m verbessern. Im Frauendiskus könnten maximal 8.20 m mehr erzielt werden.

Die Extremwerttheorie ist ein Teilgebiet der Statistik, mit dessen Hilfe Fragen zu extremen Ereignissen (die grundsätzlich nicht oft vorkommen) anhand von Kenntnissen über nicht so extreme Ereignisse beantwortet werden sollen. Normalerweise wird diese Theorie im Finanz- und Versicherungswesen eingesetzt, um das Risiko von gigantischen Schäden infolge von Flugzeugunglücken, Erdbeben, Deichbrüchen, kollidierenden Öltankern und so weiter einschätzen zu können, beispielsweise zur Berechnung der Prämien. Nun wird die Extremwerttheorie erstmals auf Leichtathletikleistungen angewendet.

Die Forscher haben auch berechnet, wo die athletische Höchstleistung liegt, das heißt welcher Rekord auf dem Papier kaum noch zu verbessern ist. Da werden weitspringende Äpfel mit hochspringenden Birnen verglichen: Welcher Weltrekord kommt dem absoluten Grenzwert am nächsten? Die allerbesten Leichtathletikleistungen werden offenbar von den Speerwerfern erzielt: 2005 warf Osleidys Menéndez ihren Speer 71.70 m weit und 1996 flog der Speer von Jan Zelezný 98.48 m durch die Luft. Das dürfte kaum noch zu verbessern sein. Zumindest auf dem Papier.


































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